Bonn, 2. April 2026. Anlässlich eines Ende März 2026 publizierten Artikels im SPIEGEL zum Vorwurf, die Studierendenwerke in NRW würden die AfD in ihre Arbeit einbinden, haben die Vorsitzenden der Verwaltungsräte der Studierendenwerke in Nordrhein-Westfalen eine gemeinsame Stellungnahme verfasst. Wir schließen uns dieser Positionierung ausdrücklich an.
Freiheitlich-demokratische Grundordnung als Maßstab
Die Studierenden, die wir betreuen, ebenso wie unsere eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sind von Vielfalt geprägt. Wir verstehen uns selbstverständlich als weltoffen und teilen diesen Anspruch mit unseren Partnerhochschulen. Die Universität Bonn ist als erfolgreichste Hochschule im deutschen Exzellenzwettbewerb eine global vernetzte Institution, die den Wissenschaftsstandort Deutschland stärkt und international sichtbarer macht. Ihr Ziel ist es, ihre Spitzenposition weiter auszubauen und Talente aus aller Welt nach Bonn zu gewinnen.
Die Positionen und das Auftreten der AfD widersprechen in zentralen Punkten den Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung sowie grundlegenden Werten wie Menschenwürde und Menschenrechten. Diese sind nicht nur im Grundgesetz verankert, sondern bilden auch die Grundlage unseres gesetzlichen Auftrags, etwa in der Betreuung internationaler Studierender und der Beratung vulnerabler und marginalisierter Gruppen.
Ein Blick in die Geschichte verdeutlicht, wie wichtig es ist, demokratiefeindlichen Tendenzen frühzeitig und konsequent entgegenzutreten und sie entschieden abzulehnen.
Vor diesem Hintergrund hält das Studierendenwerk Bonn es für geboten, von einer rein formal verstandenen politischen Neutralität abzuweichen. Der Verzicht auf einen Austausch mit demokratiefeindlichen Parteien ist aus unserer Sicht sachlich begründet und konsequent.
Uns ist bewusst, dass dies eine schwierige Abwägung zwischen politischer Neutralität, institutionellen Erwartungen und moralischer Verantwortung darstellt. Gerade in diesem Spannungsfeld erscheint es uns jedoch notwendig, eine klare Haltung einzunehmen und diese auch zu vertreten. Den Werten des Grundgesetzes fühlen wir uns verpflichtet.
Für das Studierendenwerk Bonn:
Jürgen Huber, Geschäftsführer
Sarah Cziudaj, stellvertretende Geschäftsführerin
Stellungnahme der Vorsitzenden der Verwaltungsräte der Studierendenwerke in NRW
Gut und sicher studieren
Als Vorsitzende der Verwaltungsräte der Studierendenwerke in NRW engagieren wir uns für ein soziales Umfeld, in dem junge Menschen gut und sicher studieren können. Die Bedürfnisse der Studierenden stehen im Mittelpunkt unseres Wirkens.
Wir bekennen uns klar zu einer Willkommenskultur für Studierende jeder Herkunft und mit unterschiedlichen Lebensentwürfen. Die Internationalisierung der Hochschulen unterstützen wir ausdrücklich. Miteinander und voneinander zu lernen, ist eine wichtige Grundlage für ein respektvolles und friedliches Miteinander in unserer globalisierten Welt. Die Wissenschaftsfreiheit der Hochschulen ist hierfür ein hohes Gut, das durch unser Grundgesetz geschützt ist. Der offene Diskurs innerhalb der Hochschulen ist eine Voraussetzung dafür, gesellschaftliche Verantwortung entwickeln zu können und bildet zugleich eine Grundlage für eine offene, vielfältige Gesellschaft.
Wir stellen uns in aller Deutlichkeit gegen Ideologien und politische Strömungen, die die freiheitlich-demokratischen Grundwerte missachten und das vielfältige und tolerante Zusammenleben schwächen. Sie brechen mit den Grundlagen, die einen respektvollen Diskurs erst ermöglichen. Deswegen lehnen wir jede Form der Zusammenarbeit mit politischen und gesellschaftlichen Akteuren und Parteien ab, die rechtsstaatliche Prinzipien und die Achtung der Würde jedes Menschen verletzen und damit jede tragfähige Kooperation im demokratischen Rahmen verhindern.
Wir fordern die Geschäftsführungen aller Studierendenwerke in NRW auf, sich dieser Positionierung anzuschließen.
Neben den Geschäftsführungen sind die Verwaltungsräte das zweite Organ der Studierendenwerke in NRW. Sie werden nicht durch die Arbeitsgemeinschaft Studierendenwerke NRW (ARGE), dem Zusammenschluss der Geschäftsführungen, vertreten.
Für die Vorsitze der Verwaltungsräte der Studierendenwerke NRW:
Dr. Swantje Eibach-Danzeglocke, Aachen
Christian Osinga, Bielefeld
Ron Agethen, Bochum
Paul Ludwig, Bonn
Simon Waimann, Dortmund
Andreas Meske, Düsseldorf
Pascal Winter, Essen-Duisburg
Hannah Schulze Zurmussen, Köln
Sebastian Schick, Münster
Simone Probst, Paderborn
Marius Wötzel, Siegen
Dietmar Bell, Wuppertal

